Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 148 (März 2017)

Uveitis im Rahmen einer Spondyloarthritis: ein Überblick

Von Prof. Dr. Fabrizio Cantini, Dr. Carlotta Nannini, Dr. Emanuele Cassarà, Dr. Olga Kaloudi und Dr. Laura Niccoli, Prato, Italien

Die anteriore Uveitis (Entzündung des vorderen Teils der Uvea = Augenmittelhaut, Bild 1), auch Iridocyclitis oder Iritis (Regenbogenhautentzündung) genannt, tritt entweder idiopathisch (unabhängig von anderen Krankheiten) auf oder im Rahmen einer rheumatischen oder nichtrheumatischen Krankheit (einer Spondyloarthritis, einer entzündlichen Darmkrankheit, einer Psoriasis usw.).
Bereits in den 1970er Jahren wurde festgestellt, dass die Veranlagung zu einer anterioren Uveitis erblich bedingt ist und dass ihr Auftreten in mehr als 50% der Fälle mit dem Erbfaktor HLA-B27 verknüpft ist. Andere Gene mögen ebenfalls an der Entstehung einer Uveitis beteiligt sein, aber nach heutiger Kenntnis spielt das HLA-B27 eine entscheidende Rolle.

Krankheitserscheinungen

Der Erbfaktor HLA-B27 scheint auch die Art und Schwere der Uveitis mitzubestimmen: Bei HLA-B27-positiven Patienten bricht die Uveitis plötzlich aus und erreicht innerhalb von 1 bis 2 Tagen das volle Krankheitsbild. Sie tritt meistens einseitig auf, mit der Tendenz, später auch das andere Auge zu befallen. Die Patienten klagen über Schmerzen im Auge und Lichtscheue, das Auge tränt und ist deutlich gerötet. In schweren Fällen ist die Sicht getrübt auf Grund entzündlicher Ausscheidungen in die vordere Augenkammer (Bild 1).
Die Heilungsaussichten sind gut, die Uveitis reagiert rasch auf die örtliche Anwendung eines entzündungshemmenden und eines pupillenerweiternden Medikaments.

Häufigkeit der Uveitis bei Spondyloarthritis-Patienten

Zu den Spondyloarthritiden gehören außer der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) die nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis, die Psoriasis-Arthritis, die mit einer entzündlichen Darmkrankheit verknüpfte Spondyloarthritis, die periphere Spondyloarthritis und die reaktive Arthritis.
Die Uveitis gilt als die häufigste Begleit-Erkrankung bei den Spondyloarthritiden. Wenn man alle Spondyloarthritiden zusammen nimmt, beträgt die Häufigkeit nach einer Literatur-Übersicht französischer Forscher 33%. Von den Patienten mit einer ankylosierenden Spondylitis hatten ebenfalls 33% in der Vergangenheit mindestens einmal eine Uveitis.1  Bei der Psoriasis-Arthritis waren es 25%, bei der mit einer entzündlichen Darmkrankheit verknüpften Spondyloarthritis 37% und bei der reaktiven Arthritis 26%. Bei HLA-B27-positiven Spondyloarthritis-Patienten betrug die Häufigkeit 40% und bei HLA-B27-negativen Spondyloarthritis-Patienten nur 14%. 51% der Uveitis-Patienten hatten mehrmals eine Uveitis. Bei 9% führte die Uveitis zu einer Abnahme der Sehkraft.

1) Bei der DVMB-Patientenbefragung im Jahr 1996 gaben 26% der Antwortenden an, mindestens einmal eine Uveitis durchgemacht zu haben.

Bild 1: Längsschnitt durch das Auge. Wenn die Regenbogenhaut oder sogar die gesamte (hier rot gezeichnete) Uvea (Augenmittelhaut) entzündet ist, muss das Auge sofort behandelt werden. Quelle: DVMB-Schriftnreihe Heft 1
Bild 1: Längsschnitt durch das Auge. Wenn die Regenbogenhaut oder sogar die gesamte (hier rot gezeichnete) Uvea (Augenmittelhaut) entzündet ist, muss das Auge sofort behandelt werden. Quelle: DVMB-Schriftnreihe Heft 1

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