Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 148 (März 2017)

Medikamentöse Therapieoptionen bei der Psoriasis-Arthritis

Von Dr. Frank Behrens (Frankfurt/M), Prof. Dr. Diamant Thaçi (Lübeck),·Prof. Dr. Jürgen Wollenhaupt (Hamburg) und Prof. Dr. Klaus Krüger (München)

Die Psoriasisarthritis (PsA) ist eine oft schubweise verlaufende, chronischentzündliche Erkrankung des Bewegungsapparats, die mit einer Psoriasis der Haut und/oder der Nägel verknüpft ist. Zwei Erhebungen belegen, dass bis zu 30% der Psoriasis-Patienten eine Psoriasis-Arthritis aufweisen oder im Krankheitsverlauf entwickeln. In etwa 80% der Fälle treten die Hauterscheinungen vor den rheumatologischen Beschwerden auf, bei jeweils 10% gleichzeitig oder nach der Arthritis (Gelenkentzündung).
Wesentliche Krankheitszeichen sind Hautveränderungen, Nagelveränderungen, periphere1 Gelenkentzündung, Enthesitis (Sehnenansatzentzündungen), Daktylitis (Entzündung aller Gelenke eines Fingers oder Zehs)2 und mitunter auch entzündliche Beteiligung der Wirbelsäule.
Insgesamt gibt es große Unterschiede im Erscheinungsbild und Verlauf der Psoriasis-Arthritis, weshalb die Krankheit mitunter relativ spät diagnostiziert wird und therapeutisch unterschiedlich angegangen werden muss.
Das variable Bild der Erkrankung und die unterschiedliche Krankheitsbelastung der Patienten bedingen unterschiedliche Therapiekonzepte, die individuell angepasst werden müssen. Das Erreichen einer Remission (Beschwerdefreiheit) oder wenigstens einer minimalen Krankheitsaktivität (Tabelle 1)3 sind sinnvolle Therapieziele.
Die Therapie der PsA basierte in der Vergangenheit meist auf Erkenntnissen, die bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis (Polyarthritis) gewonnen wurden. Für die zunächst für die rheumatoide Arthritis entwickelten Medikamente ist die Datenlage bei der PsA deutlich begrenzt. Hingegen liegen für die neueren, zielgerichtet für die PsA entwickelten Medikamente gezielte Studien zu ihrem Einsatz bei der PsA vor.
Derzeit können zur Therapieentscheidung bei der PsA im Wesentlichen die gerade aktualisierten Empfehlungen der European League Against Rheumatism (EULAR) und der Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis (GRAPPA)5 herangezogen werden. Die beiden Empfehlungen unterscheiden sich bezüglich ihrer Schwerpunktsetzung. In den EULAR-Empfehlungen steht ein schrittweises, möglichst generell gültiges Vorgehen im Vordergrund, während bei GRAPPA in einer Übersicht die einsetzbaren Medikamente den Beschwerden zugeordnet werden. Probleme bei beiden Empfehlungen bestehen dahin, dass bezüglich der Wirkstärke in Ermangelung direkter Vergleiche keine Aussage getroffen wird.
In Deutschland gibt es derzeit keine Leitlinien oder Empfehlungen zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis. Aus diesem Grund möchten wir die nach unserer Meinung gesicherten Punkte, Besonderheiten und zu beachtenden Aspekte für die Therapie der PsA in Deutschland unter Berücksichtigung der verschiedenen oben erwähnten Hauptformen übersichtlich und praxisnah darstellen. Die Übersicht beschränkt sich auf die Therapie erwachsener Patienten.

 

   Tabelle 1: Kriterien für eine minimale Krankheitsaktivität
(Minimal Disease Activity, MDA) bei der PsA nach Coates u.a. 2010
 








höchstens 1 druckschmerzhaftes Gelenk
 






höchstens 1 geschwollenes Gelenk
Die Haut sollte erscheinungsfrei oder nahezu erscheinungsfrei sein
Höchstens 1 betroffener Sehnenansatz
Patienteneinschätzung der Schmerzstärke höchstens 15 auf der 100-Punkte-Skala
Patienteneinschätzung der Krankheitsaktivität höchstens 20 auf der 100-Punkte-Skala
Funktionskapazität im Health Assessment Questionnaire   (HAQ) höchstens 0,5
Eine „minimale Krankheitsaktivität“ liegt vor, wenn mindestens 5 der 7 Kriterien erfüllt sind.

1) außerhalb der Körperachse
2) siehe Bild auf Seite 16 in diesem Heft
3) siehe auch Seite 22 in diesem Heft.
4) Der HAQ-Fragebogen (siehe Seite 18–19 in diesem Heft) erfasst die körperliche Funktionsfähigkeit mit 8 Fragen zum alltäglichen Leben.
5) MBJ Nr. 145 S. 14–17

 

 

 

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