Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 148 (März 2017)

Leser schreiben uns ...

Erste Hilfe bei Morbus-Bechterew-Patienten

(MBJ Nr. 146 Seite 48)

Mit Interesse habe ich den Bericht über die Teilnahme einer Gruppe von DVMB-Mitgliedern an einer zertifizierten Erste-Hilfe-Ausbildung in Fürstenfeldbruck gelesen. Ich stimme zu, dass auch wir Morbus-Bechterew-Patienten, trotz unserer Einschränkungen, durchaus in der Lage sind, wenn „Not am Mann“ ist, mit „Erste-Hilfe-Kenntnissen“ wirklich Erste Hilfe leisten zu können.
Ich selbst bin ausgebildeter „Erst-Helfer“ mit Zertifikat und weiß, wovon ich rede.
Allerdings vermisse ich eine Bemerkung über eine im Zuge der Ausbildung bestimmt auch von den 16 Teilnehmern gemachte Erfahrung hinsichtlich der Ersten Hilfe bei Morbus-Bechterew-Patienten selbst.
Bei meiner Unterweisung im Erste-Hilfe-Kurs haben wir viele praktische Übungen wechselseitig an uns selbst ausgeführt: Verbände anlegen, stabile Seitenlage und und .... Lediglich die Übungen zur „Herz-Lungen-Wiederbelebung“ wurden – wie im genannten Bericht aufgeführt – an lebensechten Puppen geübt. Dabei musste der Übungsleiter die Grenzen an mir – und damit an Morbus-Bechterew-Patienten allgemein – erkennen und zugeben:
Bei einem versteiften Brustkorb lassen sich keine Pumpbewegungen am Brustbein durchführen – oder man bricht wirklich alle Rippen.
Und bei einer ,,Mund-zu-Mund“-Beatmung lässt sich die versteifte Halswirbelsäule unter Umständen nicht so weit nach hinten strecken, dass sich die Zunge von der Luftröhre wegbewegt und man überhaupt beatmen kann. Das war eine neue und bittere Erkenntnis für den Übungsleiter und noch mehr für mich selbst.
Je nach Schwere der Versteifung ist für einen Morbus-Bechterew-Patienten also eine Herz-Lungen-Wiederbelebung, wie sie in der Ausbildung einstudiert und geübt wird, leider nicht nur „beeinträchtigt“, wie es in dem Bericht heißt – sie ist schlicht nicht mehr möglich.
Peter Knupfer

Antwort der Redaktion:

Ob man einem Morbus-Bechterew-Patienten mit versteiftem Brustkorb und Herzstillstand die Rippen brechen oder ihn gleich sterben lassen will, ist in der Tat eine schwierige Entscheidung – zumal man ja den Patienten nicht fragen kann, was ihm lieber ist. Bei der Herzdruckmassage wegen eines Herzstillstands muss man auch z.B. bei Osteoporose-Patienten Rippenbrüche in Kauf nehmen. Früher kursierte der Spruch: „Die effiziente Herzmassage  erkennt man am Rippenbruch“.
Damit man als Morbus-Bechterew-Patient die Ersthelfer und das Rettungspersonal auf die speziellen mit dem Morbus Bechterew zusammenhängenden Probleme aufmerksam machen kann, hält die DVMB verschiedene Hilfen bereit:

  • Da gibt es erstens den Morbus-Bechterew-Notfall-Ausweis, der in jedem MBJ-Heft bei der Literatur-Bestellung angeboten wird.
  • Zweitens gibt es den Notfall-Aufkleber fürs Autofenster oder fürs Reisegepäck, der den Helfer sofort auf die Krankheit aufmerksam macht und den jedes Mitglied, das eine Beitragseinzugsermächtigung erteilt hat, automatisch zugeschickt bekommt.
  • Drittens hält die DVMB ein ausführliches Merkblatt für die Lagerung, Beatmung und Narkose bei Morbus-Bechterew-Patienten bereit, das unter der Adresse www.bechterew.de/link/notfallmerkblatt aus dem Internet ausgedruckt werden kann.