Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 148 (März 2017)

Darf ich vorstellen …

Von Peter Koncet, Mitglied des DVMB-Bundesvorstands

Aus den Augen aus den Sinn? Nicht so bei unseren Vorstellkandidaten. Sie haben Jahre lang und gerne mit viel Engagement in unserem Verband gearbeitet. In ihrer aktiven Zeit standen sie mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Focus der DVMB. Wie selbstverständlich waren sie da. Für Betroffene, Mitglieder, Mitarbeiter und Mitstreiter, in der Vorstandsarbeit oder in der Aus- bzw. Weiterbildung Betroffener. Dennoch liegt es in der Natur des Menschen, sich immer wieder zu verändern. Rückzug bedeutet nicht Aufgabe. Diejenigen, für die freiwilliges Engagement alltäglicher und sinnstiftender Bestandteil des Lebens geworden ist, leben dies weiter. An anderer Stelle, mit neuen Schwerpunkten, ohne den Kontakt zu Ehemaligen zu verlieren.

Karl Erich Reuter
Karl Erich Reuter

mag Schönreden und Lügen überhaupt nicht. Da ist er ganz Nordrhein-Westfale. Sein Geburtsort Schwelm, wo er im Mai 1947 das Licht der Welt erblickte, weist ihn als Westfalen aus. Dazu passen seine Leibgerichte Grünkohl mit Mettwurst und Graupensuppe. Ein wenig lebt in ihm auch der Rheinländer. Die rheinische Lebensart, getreu dem Motto: „Et es wie et es“ und „Et kütt wie et kütt“ spiegelt seine Grundeinstellung zum Leben wieder. Wie in beiden Volksgruppen sind ihm Freundschaft, Zuverlässigkeit und Offenheit wichtige Dinge im Leben.
Im Rückblick sagt heute der gelernte Großhandelskaufmann für den Innen- und Außenhandel: „Ich hätte lieber etwas nahe am Menschen gemacht, vielleicht als Sozialarbeiter“. Selbsthilfe und Ehrenamt haben ihn geformt. Das war, als er 1976 die Diagnose „Morbus Bechterew“ bekam, noch ganz anders. Für den jungverheirateten Familienvater war die Diagnose ein Schock. Doch aus dem Annehmen der eigenen Diagnose wurde rasch der Kampf und das Einstehen für andere Betroffene. Bei einem Aufenthalt in der Rheumaklinik Oberammergau wurde er auf die DVMB aufmerksam, der er 1982 beitrat.
1985 gründete er die Gruppe Ennepetal-Gevelsberg-Schwelm, die er als Gruppensprecher bis 1994 leitete. Bereits 1988 wurde er als Beisitzer in den Vorstand des DVMB-Landesverbands Nordrhein-Westfalen gewählt, den er als Vorsitzender von 1994 bis 2002 führte. Anschließend wechselte Karl Erich Reuter in den Bundesvorstand und übernahm bis 2006 das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Der Vorsitzende Franz GADENZ nannte seinen Stellvertreter oft den „Außenminister der DVMB“. Aus gutem Grund: Karl Erich Reuter besuchte in seinem Amt die neugegründeten DVMB-Landesverbände im Osten der Republik, um mit konstruktivem Rat beim Aufbau zu helfen. Erfahrungen mit den jungen Landesverbänden in den Ostländern konnte er bereits als Mitglied des Landesverbandsvorstands in Nordrhein-Westfalen kurz nach der Wiedervereinigung gemeinsam mit Heide OSTERTHUN (ebenfalls langjähriges Mitglied des Landesverbandsvorstands in Nordrhein-Westfalen) sammeln. Der Landesverband NRW bot mit seinen Gruppen damals neben Patenschaften auch die Möglichkeit, Therapeuten kostenlos auszubilden.
Nach Gründung der Deutschen Morbus-Bechterew-Stiftung im Jahr 2009 war er bis 2012 Stellvertreter des Beiratsvorsitzenden. Weitere drei Jahre bis 2015 gehörte er dem Stiftungsbeirat als Beisitzer an. Seit 2004 ist er bis heute über den Deutschen Behindertenrat (DBR) im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Berlin tätig. In verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und Unterausschüssen vertritt er als Patientenvertreter die Interessen nicht nur der Morbus-Bechterew-Patienten, sondern aller Behinderten. Sein weiteres soziales Engagement seit Mitte der 1990er Jahre in vielen Gremien, u.a. im Behindertensportverband von Nordrhein-Westfalen, im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) und in der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) im Ennepe-Ruhr-Kreis blieb nicht unverborgen. 1999 wurde sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt.
Auch wenn sich seine Erwartungen, die ihn 1982 zur Mitgliedschaft bewegten, fast erfüllt haben, sieht er zukünftig umfangreiche Aufgaben für die DVMB. Durch die heutigen vielfältigen Möglichkeiten, sich zu informieren, wird aus seiner Sicht ein reines Gymnastikangebot (Funktionstraining und Reha-Sport) nicht mehr ausreichen. Die Internetpräsenz wird eine immer wichtigere Aufgabe für die DVMB. Ebenso gehört seiner Meinung nach die Aufbereitung und Verbreitung der Mitgliederzeitschrift überdacht. Wichtig wäre ihm auch, Mitglieder zu finden, die sich aktiv in Gesundheits- und politischen Gremien, wie z.B. dem G-BA, engagieren.
Ehrenamtliche Tätigkeit bedeutet, ein Großteil seiner Freizeit und die der Familie zu opfern. Der Spagat zwischen Beruf, sozialem Engagement und Familie ist nur möglich, wenn die Familie dahintersteht. Das weiß Karl Erich Reuter zu schätzen und ist seiner Frau und seiner Tochter für den gewährten Freiraum dankbar. Es verwundert nicht, wenn er in seiner Freizeit am liebsten etwas mit seiner 3-jährigen Enkeltochter Marie Charlotte unternimmt. Wo er seinen Urlaub genau verbringt, ist eher zweitrangig. Hauptsache, er beginnt im Hafen von Venedig oder Genua.

Ute Donhauser-Gruber

ist glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie bereut nichts und keine Zeit und würde ihr Leben genauso wieder leben wollen. Ein Leben, das ganz im Dienst der Physiotherapie stand. Eigentlich wollte die im März 1955 in Nürnberg Geborene nach ihrem Abitur Ärztin werden. Doch der bestehende Numerus clausus war damals für sie eine zu große Hürde. So begann sie zunächst mit der Ausbildung zur Krankengymnastin, um später dann zur Medizin zu wechseln. Doch ihr neuer Beruf hat sie so fasziniert, dass sie dabei geblieben ist. Ihr Praktikum absolvierte sie in der Rheumaklinik Kaiser-Friedrich-Bad in Wiesbaden bei Prof. Klaus MIEHLKE. Anschließend wurde sie in der operativen Klinik des Rheumazentrums Bad Abbach unter Prof. Dieter WESSINGHAGE leitende Krankengymnastin. Danach ging sie zurück nach Nürnberg, um sich selbstständig zu machen.
Mit ihrem Mann, Dr. med. Alfred A. J. GRUBER, den sie 1979 heiratete, gründete sie die Gesellschaft medizinischer Assistenzberufe für Rheumatologie (GmAR). Diese wissenschaftliche Gesellschaft dient als Bindeglied zwischen den Patientenorganisationen und den ärztlichen Gesellschaften. Gemeinsam eröffneten sie 1993 das Ambulante Rheuma-Therapie-Zentrum Nürnberg (RTZ Nürnberg), ein interdisziplinäres Zentrum von Ärzten und Therapeuten mit einem ambulanten Operations- und einem Fortbildungszentrum. Es soll den Patienten Wege erleichtern und alle erforderlichen Behandlungen unter einem Dach ermöglichen.
Bereits in ihrem Praktikum in Wiesbaden bemerkte sie, dass die Ausbildung der Assistenzberufe auf dem Gebiet der Rheumatologie unzureichend ist. Die Behandlung dieser Patienten wollte sie verbessern. Bei vielen Fortbildungsveranstaltungen unter der Leitung von Prof. MATHIES lernte sie Prof. Andrzej SEYFRIED aus Warschau kennen. Hier wurde in vielen Gesprächen und Diskussionen der Grundstein für die Fort- und Weiterbildung der Therapeuten gelegt, so wie sie von der GmAR auch heute noch durchgeführt wird. Auf dieser Basis wünscht sie sich eine verstärkte Kooperation zwischen der GmAR und der DVMB. Hiervon verspricht sie sich eine verbesserte Weiterbildung der Therapeuten.
Im Rahmen ihrer Vortragstätigkeit in den 1980iger Jahren wurde sie auf die DVMB und deren Geschäftsführer Ludwig HAMMEL aufmerksam.  Ihm räumte sie ein, im Rahmen der Ausbildung von Rheumatherapeuten in einem speziellen Block das Krankheitsbild Morbus Bechterew und die DVMB vorzustellen. Für den DVMB-Landesverband Bayern übernahm sie selbst die Bechterew-Betroffene verstärkt Anreize zu schaffen und Anleitung für eigenständige Übungen im Alltag zu geben. Als Nordic Walking in Deutschland Fuß fasste, erkannte sie die Möglichkeiten, die für Morbus-Bechterew-Betroffene in diesem Freizeitsport stecken. Zunächst konnten sich Interessierte in Wochenend-Seminaren zum Nordic-Walking-Trainer ausbilden lassen. Dadurch konnten die örtlichen Gruppen ihr Bewegungs- und Sportangebot erweitern. Unter ihrer Führung wurde vor einigen Jahren ein Anleitungsvideo zum Thema Nordic Walking gedreht und in den DVMB-YouTube-Kanal eingestellt.
Auch für die Patienten selbst möchte sie mehr Informationen über das Krankheitsgeschehen und die bio- und pathomechanischen Grundlagen ihrer Erkrankung geben. Mit Ludwig Hammel entwickelte sie Ideen, für Morbus-Bechterew-Betroffene verstärkt Anreize zu schaffen und Anleitung für eigenständige Übungen im Alltag zu geben. Als Nordic Walking in Deutschland Fuß fasste, erkannte sie die Möglichkeiten, die für Morbus-Bechterew-Betroffene in diesem Freizeitsport stecken. Zunächst konnten sich Interessierte in Wochenend-Seminaren zum Nordic-Walking-Trainer ausbilden lassen. Dadurch konnten die örtlichen Gruppen ihr Bewegungs- und Sportangebot erweitern. Unter ihrer Führung wurde vor einigen Jahren ein Anleitungsvideo zum Thema Nordic Walking gedreht und in den DVMB-YouTube-Kanal eingestellt.
Nachdem Ute Donhauser-Gruber vor einiger Zeit die Prüfung zum sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie gemacht hatte, folgte 2015 die große Heilpraktiker-Prüfung. Mittlerweile hat sie, wie auch ihr Mann, die eigene Praxis an ihre Nachfolger weitergegeben.