Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 148 (März 2017)

Behandlung einer Uveitis im Rahmen einer Spondyloarthritis

Von Dr. Claudia Fabiani, Dr. Antonio Vitale, Dr. Giuseppe Lopalco, Prof. Dr. Florenzo Iannone,
Prof. Dr. Bruno Frediani und Dr. Luca Cantarini aus Mailand, Siena und Bari, Italien

Unter einer anterioren Uveitis (= Iritis) versteht man eine Entzündung des vorderen Teils der Uvea, der Augenmittelhaut.1
Traditionell wird eine im Rahmen einer Spondyloarthritis (entzündlichen Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankung) auftretende anteriore Uveitis örtlich mit Corticosteroid-Tropfen und einem pupillenerweiternden Medikament behandelt. Systemische2 Corticosteroide sind nur bei einer besonders schweren Entzündung angezeigt.3
Bei Trägern des Erbfaktors HLA-B27 neigt die Uveitis zu häufiger Wiederkehr und zu bleibender Schädigung des Auges. In diesem Fall kann ein kurzzeitig eingesetztes systemisches Corticosteroid für Ruhe sorgen. Ein Einsatz über längere Zeit soll wegen der bekannten Nebenwirkungen vermieden werden. Bei längerem Behandlungsbedarf sollen an die Schwere der Entzündung angepasste Entzündungshemmer eingesetzt werden, um bleibende Sehschäden zu vermeiden.
Es hat sich gezeigt, dass die üblicherweise bei einer häufig wiederkehrenden Uveitis eingesetzten krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (früher als „Basismedikamente“ bezeichnet) wie Azathioprin oder Methotrexat in Bezug auf die Wirbelsäulenentzündung wirkungslos sind. Andererseits lindern nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, die Medikamente der ersten Wahl gegen die Gelenkentzündungen bei einer Spondyloarthritis) die Uveitis-Beschwerden nur kurzzei
tig und sind bei Patienten mit Magen-Darm- oder Herz-Kreislauf-Risikofaktoren mit Vorsicht zu gebrauchen.
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass sich mit Medikamenten, die das Zytokin (Botenstoff) „TNF alpha“ blockieren, beim Morbus Bechterew eindrucksvolle Erfolge erzielen lassen. Es hat sich außerdem gezeigt, dass sich mit TNF-alpha-Blockern auch in Bezug auf die Augenentzündungen gute Ergebnisse erzielen lassen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass es bezüglich der Wirksamkeit auf die Augenentzündung bedeutsame Unterschiede zwischen den heute verfügbaren TNF-alpha-Blockern gibt.4

Die Rolle der unterschiedlichen TNF-Blocker in der Uveitis-Therapie

Die heute für die Behandlung des Morbus Bechterew verfügbaren TNF-alpha-Blocker und ihre wichtigsten Eigenschaften sind in der Tabelle 1 zusammengestellt.
Um die Rolle der TNF-Blocker bei der Behandlung der Uveitis und eines Morbus Bechterew aus heutiger Sicht zusammenzufassen, haben wir alle bis Juli 2016 zu diesem Thema veröffentlichten Studienergebnisse in die folgende Übersicht einbezogen.

1) siehe Seite 12 in diesem Heft.
2) auf das ganze Körpersystem wirkend, durch den Mund eingenommen
3) MBJ Nr. 94 S. 6–9, Nr. 99 S. 28–29, Nr. 111 S. 19, Nr. 120 S. 15, Nr. 123 S. 23–25, Nr. 134 S. 12–16.
4) MBJ Nr. 111 S. 19, Nr. 120 S. 15, Nr. 121 S. 5–6, Nr. 124 S. 19, Nr. 144 S. 4–7

 

Tabelle 1: Derzeit verfügbare TNF-alpha-Blocker und ihre wichtigsten Eigenschaften

WirkstoffInfliximabAdalimumabEtanerceptCertolizumab pegolGolimumab
HandelsnameRemicadeHumiraEnbrelCimziaSimponi
StrukturAntikörperAntikörperFusions-Proteinegylierter AntikörperAntikörper
Verabreichungintravenös*subkutan**subkutan**subkutan**subkutan**
Standard-Dosis bei
Morbus Bechterew
5 mg/kg Körpergewicht alle 6–8 Wochen40 mg jede zweite Woche50 mg wöchentlich200 mg jede 2. Woche oder 400 mg monatlich50 mg monatlich   
Halbwertszeit9,5 Tage14 Tage3 Tage14 Tage12 Tage
*) intravenös = Infusion in eine Vene. **) subkutan = Injektion in die Unterhaut.

 

 

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