Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 148 (März 2017)

Behandlung einer Spondyloarthritis im Verbund mit einer entzündlichen Darmkrankheit

Von Prof. Dr. Ignazio Olivieri (Matera-Hospital, Potenza), Dr. Fabrizio Cantini, Dr. Fabiana Castiglione, Carla Felice, Prof. Dr. Paolo Gionchetti, Dr. Ambrogio Orlando, Dr. Carlo Salvarani, Prof. Dr. Raffaele Scarpa, Prof. Dr. Maurizio Vecchi und Dr. Alessandro Armuzzi von weiteren Kliniken in Italien

Häufigkeit einer Spondyloarthritis im Rahmen einer entzündlichen Darmkrankheit

Beim Vorliegen einer chronischentzündlichen Darmkrankheit (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) liegt die Häufigkeit einer zusätzlichen Spondyloarthritis (Entzündung der Wirbelsäule und evtl. weiterer Gelenke) nach verschiedenen Studien zwischen 17% und 39%. Die Spondyloarthritis ist damit die häufigste Begleiterkrankung außerhalb des Darms bei einer entzündlichen Darmkrankheit. Bei etwa 20% der Patienten treten die Wirbelsäulenbeschwerden vor den Darmbeschwerden auf. Gewöhnlich wird die rheumatische Krankheit aber nach Auftreten der Darmbeschwerden diagnostiziert. In den ESSG-Kriterien1 für die Spondyloarthritis ist eine chronisch-entzündliche Darmkrankheit eines der möglichen Anzeichen für eine Spondyloarthritis.
Risikofaktoren für eine rheumatische Erkrankung im Rahmen einer entzündlichen Darmkrankheit sind:

  • eine hohe Krankheitsaktivität der Darmkrankheit,
  • entzündliche Darmkrankheit in der nahen Verwandtschaft,
  • Blinddarmentfernung in der Vergangenheit,
  • Rauchen,
  • andere Begleiterkrankungen wie Erythema nodosum (Ausschlag mit relativ großen, kreisrunden, bläulich-rötlichen erhabenen Flecken vorwiegend an den Unterschenkeln und Sprunggelenken) oder Pyoderma gangraenosum (Geschwürig aufbrechender schwerster Hautausschlag vorwiegend im Gesichts-, Hals- oder Brustbereich).

Viele Studien haben allerdings gezeigt, dass eine aktive Darmerkrankung zwar das Risiko für eine periphere Gelenkentzündung erhöht, dass die Wahrscheinlichkeit einer Wirbelsäulenbeteiligung aber unabhängig von der Aktivität der Darmerkrankung ist.

Warnzeichen für das Vorliegen beider Krankheiten

Für die Diagnose mag es sinnvoll sein, einige Warnzeichen zu beachten, wie sie in der Tabelle 1 zusammengestellt sind. Beim Vorliegen solcher Warnzeichen sollte der entspreche Facharzt aufgesucht werden, der entscheiden wird, welche Labor- und bildgebenden Untersuchungen angebracht sind.

Häufiger Verlauf einer entzündlichen Darmkrankheit

Sowohl beim Morbus Crohn (chronische Entzündung der Darmschleimhaut, besonders im Dünndarm) als auch bei der Colitis ulcerosa (chronische geschwürige Entzündung des Grimmdarms, d.h. des größten Teils des Dickdarms) verläuft die Krankheit im Allgemeinen umso aggressiver, je jünger der Patient beim Ausbruch der Krankheit ist und je ausgeprägter der Gewichtsverlust ist. Auch eine Fettleibigkeit ist im Allgemeinen mit einem aggressiveren Krankheitsverlauf verbunden. Bei der Colitis ulcerosa ist ein ausgedehnter Befall mit einem schwereren Verlauf verbunden. Beim Morbus Crohn sind ein Befall im oberen Teil des Magen-Darm-Trakts, im oberen Teil des Dünndarms, im unteren Teil des Dickdarms und in der After-Umgebung mit unterschiedlichen Komplikationen verbunden. Rauchen führt beim Morbus Crohn zu einem schwereren Krankheitsverlauf.

 


Tabelle 1: Warnhinweise für das Vorliegen einer entzündlichen Darmkrankheit bzw. einer Spondyloarthritis, die das Aufsuchen eines Gastroenterologen bzw. eines Rheumatologen nahelegen


 







  • Entzündliche Darmkrankheit in der nahen Verwandtschaft
  • Rückenschmerzen über mehr als 3 Monate
 







  • Chronische Bauchschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Blutungen aus dem Enddarm
  • Gelenkschwellungen
  • Gewichtsverlust
  • Anzeichen einer Enthesitis2
  • Fisteln am After
  • Gegenwärtige oder frühere Daktylitis3
  • Blutarmut
  • Uveitis / Iritis4
Überweisung zum GastroenterologenÜberweisung zum Rheumatologen

 

1) MBJ Nr. 109 S. 9–13, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
2) Sehnenansatzentzündung: Entzündung von Stellen, wo Sehnen, Gelenkkapseln oder Bänder am Knochen anheften
3) Wurstfinger, Wurstzehe: entzündlicher Befall aller Gelenke eines Fingers oder Zehs
4) Regenbogenhautentzündung im Auge

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