Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 154 (September 2018)

Nahrungsmittel-Steckbrief „Kaffee“

Dr. med. Gudrun Lind-Albrecht, RHIO Düsseldorf, Mitglied der MBJ-Redaktion

Im Mittelalter und noch bis in die frühe Neuzeit war hierzulande quer durch alle Bevölkerungsschichten morgens nicht die Tasse Kaffee, sondern die Biersuppe das belebende und kräftigende Getränk zum Start in den Tag – und das für Groß und Klein, für Kinder genauso wie für Erwachsene.
Adel und Bürgertum freundeten sich ab dem 18. Jahrhundert mehr und mehr mit Kaffee an. Und erst ab dem frühen 19. Jahrhundert wurde die Biersuppe in der ländlichen Bevölkerung abgelöst durch die Kaffeesuppe, die den ganzen Tag über köchelnd auf dem Herd blieb und in die bevorzugt Brot getunkt wurde – und die oft mehr Kaffee-Ersatz (aus Malz oder Zicchorienwurzeln) als Kaffee enthielt. Allmählich entwickelte sich, zunächst nur in den wohlhabenden Kreisen, eine regelrechte Kaffeekultur in Europa.

Botanik, Herkunft und Verbreitung

Das Getränk Kaffee wird als Aufguss hergestellt aus den – fälschlicherweise „Bohnen“ genannten – Samen des Kaffeestrauches, die paarig im Innern der Steinfrucht (der Kaffeekirsche) liegen und die von alters her getrocknet, geröstet und gemahlen werden. Die Blüte des Kaffeestrauchs dauert oft nur wenige Tage, aber zur Reifung benötigt die Kaffeekirsche mehr als 6 Monate, je nach Sorte sogar bis zu 11 Monate. Es gibt etwa 70 verschiedene Arten von Kaffeepflanzen. Die für uns heute wichtigste, die Coffea arabica, stammt ursprünglich aus Äthiopien (genauer gesagt aus dem Abessinischen Hochland, der Provinz Kaffa), wo sie mindestens seit dem 9. Jahrhundert zur Herstellung des belebenden Heiß-Getränks verwendet wird und wo Kaffee noch heute Nationalgetränk ist. Die Art Coffea robusta wurde erst 1860 in Uganda und im Kongo entdeckt.
Kaffeepflanzen sind anspruchsvoll bzgl. der Lichtverhältnisse und der klimatischen Bedingungen. Coffea arabica wächst im tropischen Hochland, ab 1000 bis zu 2000 Höhenmetern, braucht gleichmäßige Wärme (18–22°C im Durchschnitt), mäßige, aber gleichmäßige Feuchte (nicht zu viel Regen) und verträgt kaum die direkte Sonne. Daher gedeiht sie am besten in Verbindung mit lichtem Baumbestand (Agroforst-Anbau-Methode) im Halbschatten. Coffea robusta (auch Canephora genannt) ist robuster, gedeiht in tieferen tropischen Lagen bei Temperaturen von 22–26°C und kommt mit direkter Sonne und Regengüssen besser zurecht.  
Die Namensgebung „Kaffee“ bezieht sich entweder auf die Heimat von Coffea arabica (Provinz Kaffa, siehe oben), oder sie ist dem arabischen Begriff qahwa entlehnt, was soviel bedeutet wie „anregendes Getränk“.
Im gesamten arabischen Raum war das Kaffeetrinken mindestens ab dem 11./12. Jahrhundert sehr beliebt. Als Drehscheibe des Kaffeehandels entwickelte sich Jemen und hier speziell die Hafenstadt Mokka (!). Aufgrund des kurzen Weges zum Nachbarland Äthiopien auf der anderen Seite des Roten Meeres bot sich der Import von Kaffeebohnen an. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts wurden im Jemen aber auch eigene Kaffeeplantagen angelegt. Und bis mindestens Mitte des 17. Jahrhunderts hatte der Jemen das streng überwachte Anbau-Monopol für Kaffee.
Erst danach gelang den Niederländern (durch Herausschmuggeln von Bohnen und Pflanzen) in ihren Kolonien in Ceylon und Java die Zucht von Kaffeepflanzen. Die Portugiesen begründeten in der Folge den Kaffeeanbau in Brasilien, die Franzosen in Mittelamerika.

Entwicklung der Kaffee-Kultur

Die ersten Kaffeehäuser gab es vermutlich in Mekka (Kaveh Kanes) und Medina – diese wurden aber schon kurze Zeit nach Eröffnung auf Betreiben der Imame geschlossen. 1554 entstand trotz des Widerstands der geistlichen Oberhäupter in Konstantinopel das erste Kaffeehaus.  
Für den gläubigen Moslem, dem das Trinken von Alkohol untersagt war, bot sich Kaffee als ideales belebendes Getränk an. In den Kaffeehäusern entstanden regelrechte Kulturzentren, hier traf sich die (männliche) arabische Welt, es wurde diskutiert, Geschichtenerzählern gelauscht, Schattentheater vorgeführt etc.   
Venezianische Händler brachten ab etwa 1615 den Kaffee nach Europa, und 1645 öffnete das erste europäische Kaffeehaus in Venedig am Markusplatz. Es folgten Oxford (1650), London (1652), Marseille (1659), Amsterdam und Den Haag (1663), Paris (1673), Bremen (1673), Hamburg (1677) und Wien (1683, und damit wohl im Jahr der 2. Belagerung durch die Türken, jedoch scheint die Legende mit der Verwendung der erbeuteten Säcke voller Kaffeebohnen als Anstoß der Gründung nicht ganz zu stimmen).
Kaffee gehörte immer zu den Luxusgütern. Entsprechend wurden sowohl der Handel als auch die Weiterverarbeitung staatlich überwacht.
Den Berufsstand des Kaffeeschnüfflers rief Friedrich der Große ins Leben: Die Kaffeeschnüffler mussten (anhand Aufspüren des verräterischen Geruchs) überprüfen, ob auch niemand privat Kaffeebohnen röstete; denn das war nur staatlichen Röstereien erlaubt (bei der original-äthiopischen Kaffeezeremonie hätten die Kaffeeschnüffler reichlich Beute gemacht, denn hier wurden und werden bis heute jeden Morgen die grünen Kaffeebohnen frisch in der Pfanne geröstet, dann gemahlen, um sie in einer speziellen Kanne zusammen mit heißem Wasser köchelnd ziehen zu lassen).  
Während im arabischen Raum das gemeinschaftliche Kaffeetrinken reine Männersache war, wurde in Europa 1715 die Tradition des Kaffeekränzchens (Caffé Cräntzgen) als Kaffee- und Gesprächsrunde unter Frauen begründet. Frauen des Bürgertums luden sich gegenseitig reihum nach Hause zum Kaffee ein und besprachen die Tagesthemen. Von der männlichen Welt erhielten diese Treffen den geringschätzigen Namen Kaffeeklatsch – wenn Frauen Informationen austauschten, konnte das nur Tratsch und Geschwätz sein, bei Männern dagegen waren das Nachrichten…
Auf die argwöhnische väterliche Beobachtung der Kaffee-Trink-Gewohnheiten seiner Tochter und auf den (vergeblichen) Versuch, sie davon abzubringen, spielt die Kaffeekantate von Johann Sebastian Bach an.
Die anregende Wirkung des Kaffees nutzten auch Künstler sehr gerne. Honoré de Balzac soll übrigens bis zu 50 Tassen Kaffee pro Tag getrunken haben. Auch Beethoven war ein Kaffeeliebhaber – er soll die Bohnen sorgfältig abgezählt haben vor dem Mahlen: es mussten 60 Bohnen pro Tasse (!) für jeden Aufguss sein.
Die Zubereitung des Kaffees erfolgte lange Zeit mittels Aufgießen von siedendem oder kochendem Wasser auf die gemahlenen Bohnen. Da der frisch gekochte Kaffee aber in der Tasse einerseits noch sehr heiß war und da er andererseits noch einiges an Kaffeesatz enthielt, wurde der Teller unter der Tasse sehr wichtig: Man goss vorsichtig kleine Mengen an Kaffee aus der Tasse in die Untertasse und trank aus dieser den schneller abkühlenden und klaren Kaffee.   
Erst 1908 erfand die Hausfrau Melitta BENTZ den Kaffeefilter. Zuvor war 1881 durch den Franzosen Alphonse ALLAIS erstmals Instant- oder Löskaffee hergestellt worden.

Kaffee-Konsum und -Spezialitäten

Heute werden weltweit 2,25 Milliarden Tassen Kaffee pro Tag getrunken. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 150–162 Liter Kaffee bzw. 6 kg Kaffeebohnen pro Jahr. Führend im Kaffeekonsum sind allerdings die Finnen mit 11 kg Kaffeebohnen pro Person und Jahr, gefolgt von den Belgiern und Luxemburgern mit 9 kg und den Schweden, Norwegern und Dänen mit jeweils etwa 8 kg.
Hamburg hat sich zu Europas größtem Kaffee-Import-Hafen entwickelt. Der größte Anteil kommt heute aus Brasilien mit 35%, gefolgt von Vietnam mit 17%. Es folgen mit kleinen Anteilen Honduras, Kolumbien, Peru, Indonesien, Uganda und Äthiopien (von hier kommen nur noch 4%).
Rund um Bremen und Bremerhaven haben sich die größten Kaffee-Röstereien niedergelassen.  
Neben dem Filterkaffee und dem Brühkaffee haben wir heute eine große Vielfalt von Kaffeezubereitungen. Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato haben sich quasi zu Lifestyle-Getränken entwickelt. Die Wiener Kaffeespezialitäten (kl. u. gr. Brauner, Melange, Einspänner, Pharisäer etc) lassen keine Wünsche offen. Der „türkische Mokka“ wird auch in Griechenland noch heute nach traditioneller Art in einem speziellen Metallkännchen im heißen Sandbett zubereitet.
Sehr zu Lasten der Umwelt hat sich die Mode des „Kapselkaffees“ in den letzten Jahren sehr verbreitet.
Der teuerste und „speziellste“ Kaffee der Welt ist allerdings der Kopi Luwak aus Indonesien, der ohne die Mitwirkung der Zibetkatze nicht existieren würde. Diese frisst nämlich die Kaffeekirschen als Ganzes (samt Bohnen), verdaut nur das Fruchtfleisch, während im Darm die Bohnen eine Art Fermentierung durchlaufen und dann als Ganzes wieder ausgeschieden werden. Diese werden im Anschluss dann geröstet und zu Preisen von etwa 1000 Euro pro Kilogramm in den Handel gebracht. Vergleichbar ist der auf dem gleichen Wege hergestellte Elefantenkaffee aus Thailand, der Black Ivory, der um die 800 Euro pro Kilogramm kostet. An das Tierwohl wird bei dieser Prozedur sicher nicht gedacht.
Zum Superfood-Trend passend, hat ein Australier in Melbourne Brokkoli-Latte, Brokkoli-Cappuccino und Brokkoli-Espresso entwickelt, indem er einfach getrocknetes Gemüsepulver in den gemahlenen Kaffee gibt.
Ein kleines Start-Up-Unternehmen hat sich ganz aktuell auf dem deutschen Markt mit einem limonade-ähnlichen Kalt-Getränk aus grünen Kaffeebohnen (biologisch angebaut und in fairem Handel aus Kolumbien importiert) mit dem Namen „Selo Green Coffee“ positioniert.
Ähnlich dem im Jemen bereits gängigen Quishar (bei dem die Schalen der Kaffeekirsche aufgegossen und mit Zimt, Ingwer, Kardamom und ggf. auch Milch verfeinert wurden) existiert in Nicaragua, Bolivien und Panama das Getränk „Cascara“ (= spanisch für Hülle) als Aufguss aus den Schalen der Kaffeekirsche; dieser „Coffee-Tea“ enthält 6–8 mal mehr Koffein als eine normale Tasse Kaffee und wird von einer amerikanischen Kette bereits erfolgreich vermarktet.

Hiobsbotschaften für Kaffeetrinker

So manchem passionierten Kaffeetrinker wurde es angesichts der alten Vorurteile und der Nachrichten der letzten Jahre durchaus etwas mulmig.

  1. „Kaffee raubt Flüssigkeit!“ Dieses alte Vorurteil ist widerlegt – Kaffee beschleunigt zwar die Nierenfunktion, dadurch erfolgt die Ausscheidung der Flüssigkeit aber nur schneller und nicht vermehrt. Man darf Kaffee also zum täglichen Trinksoll dazuzählen.
  2. „Kaffee macht Krebs!“ Auch das ist im Grunde widerlegt (s.u.). Bei der Röstung von Kaffeebohnen entstehen Acryl-amid und Furan. Beide gelten als potentiell und dosisabhängig krebserregend und erbgutschädigend. Furan geht kaum, Acrylamid wohl zu etwa 30% in den gefilterten Kaffee über. Laut Tests (z.B. Ökotest Nr. 10/2012) wird die zulässige Grenzdosis von Acrylamid in den Bohnen oder im gemahlenen Kaffee meist, aber nicht immer eingehalten. Im industriellen Verfahren der Röstung bei 400 bis 500°C über die Dauer von 2 Minuten entsteht sehr viel mehr Acrylamid als bei der traditionellen, nur in kleineren Röstereien noch üblichen langsameren Röstung mit Temperaturen von max. 220°C oder gar der sehr sanften Röstung bei Temperaturen um 60°C. Bei heller schneller Röstung entsteht mehr Acrylamid als bei langsamer dunkler. Geröstete Robusta-Bohnen haben deutlich mehr Acrylamid als Arabica-Bohnen.
  3. „Kaffee macht blutarm!“ Es stimmt, dass Kaffee durch die in ihm enthaltene Chlorogensäure – in den ersten 1–2 Stunden nach dem Essen getrunken – die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung hemmt. Dies führt aber bei ausgewogener Ernährung und moderatem Kaffeekonsum sicher nicht zur Anämie.
  4. „Kaffee erhöht Cholesterin!“ Das stimmt im Prinzip. Die Inhaltsstoffe Cafestol und Kahweol in der Kaffeebohne können zur Erhöhung des unerwünschten LDL-Choleste-rins führen. Der Übergang dieser Stoffe in den Kaffee kann aber durch Nutzung eines Papier-Filters minimiert werden.
  5. „Kaffee führt zu Bluthochdruck und Angina pectoris.“ Kurzfristig stimmt es, dass der Blutdruck durch das Koffein im Kaffee steigt und dass die Gefäße (also auch die Herzkranzgefäße) enger werden. Danach folgt aber bei den meisten Menschen eine Gegenschwingung der Gefäßentspannung. Und mittel- bis langfristig schützt Kaffeekonsum im moderaten Rahmen die Gefäße (siehe unten).
  6. „Kaffee macht einen kleinen Busen!“ Dies haben tatsächlich schwedische Studien an der Universität Lund ergeben. Kaffeekonsum von über 3 Tassen täglich führt zu kleineren Brüsten. Dies ist jedoch kein kontinuierlich fortschreitender Prozess. Hier ist offenbar der gleiche Mechanismus wirksam wie derjenige, der Kaffeetrinkerinnen vor Brustkrebs schützen kann.
  7. „Kaffee macht Rheuma!“ Tatsächlich sprechen 2 Studien dafür, allerdings bei hohem und sehr hohem Kaffeekonsum. Das Risiko für die Entstehung von rheumatoider Arthritis verdoppelt sich bei regelmäßigem Konsum von mehr als 4 Tassen pro Tag. Bei mehr als 11 (!) Tassen pro Tag ist das Risiko für die Entstehung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen laut einer finnischen Studie (Heliövaara 2000) 15-fach erhöht. Kaffee kann den Entzündungsbotenstoff Interleukin 6 erhöhen, und man vermutet, dass vor allem ungefilterter Kaffee die Bildung des Rheumafaktors anregt.
  8. „Kaffee macht Osteoporose“. Ältere Studien ergaben bei hohem Kaffeekonsum Hinweise auf ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Inzwischen fand sich anhand einer umfangreichen Datenauswertung an der Universität Uppsala in Schweden bei moderatem Kaffeekonsum keine erhöhte Rate von Knochenbrüchen (Hallström 2013).
Inhaltsstoffe von Kaffeebohnen

Für viele ist heutzutage nur der Koffeingehalt als Inhaltsstoff von Kaffee präsent. 1 Tasse Kaffee (aus 4 Gramm Bohnen) enthält zwischen 40 und 150 mg Koffein, 1 Espresso (50 ml) enthält 50–60 mg (zum Vergleich: 100 Gramm Halbbitter-Schokolade enthalten 50–110mg Koffein, 100 ml Cola 10–25mg und 100 ml Energy-Drink 32–160mg).
Kaffeebohnen enthalten aber darüber hinaus viele sekundäre Pflanzenstoffe, und zwar Phenolsäuren (vor allem Chlorogensäure), Diterpene (Cafestol, Kahweol), Phytoöstrogene (Daidzin, Genestein, Formomentin) sowie Vitamin B3 (Niacin) und Mineralstoffe (Magnesium, Kalium, Calcium, Phosphor). Beim Rösten entstehen (außer den bereits genannten Stoffen Acrylamid und Furan) Melanoidine und N-Methyl-Pyridinium.

  1. Kaffeekonsum im moderaten Bereich schützt vor Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) – offensichtlich durch die enthaltenen antioxidativ wirkenden sekundären Pflanzenstoffe. Damit schützt er auch vor Schlaganfall und Herzinfarkt. Dies ist in einer großen Zahl von Studien in Form von Langzeitbeobachtungen sichtbar geworden und wird z.B. auch in einer Meta-Analyse über mehr als 200 Studien (Robin Poole 2017) beschrieben. Bei langfristigem Genuss von 3–4 Tassen Kaffee pro Tag war gegenüber Nicht-Kaffee-Trinkern das Risiko für Herzinfarkt und für Schlaganfall um jeweils 15% verringert. Das Risiko für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit war bei Frauen um 18% und bei Männern um 13% verringert. In einer großen südkoreanischen Studie (Yuni Choi 2015) mit 25.000 Teilnehmern konnte eindrucksvoll anhand von Computertomografien gezeigt werden, dass die Verkalkung der Herzkranzgefäße bei Kaffeetrinkern deutlich geringer ist, und zwar beim täglichen Konsum von 1–3 Tassen um 34% und bei 3–5 Tassen um 41% – interessanterweise bei mehr als 5 Tassen pro Tag aber nur noch um 11% geringer. Das Risiko, nach einem Herzinfarkt einen erneuten Herzinfarkt zu erleiden, war laut einer schwedischen Studie (Mukamal 2009) bei Kaffeetrinkern halbiert. Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, war (laut Daten aus der Framingham-Studie) bei Kaffeetrinkern um 43% verringert. Dies galt nicht für diejenigen, die entkoffeinierten Kaffee tranken.
  2. Kaffeetrinker leben länger, und zwar bei moderatem Konsum von maximal 5 Tassen pro Tag. Dies zeigten Daten von über 200.000 Teilnehmern aus der Health Professionals Follow-up-Studie und der Nurses` Health Studie (2008) und aus der internationalen EPIC-Studie (Marc u.a. 2017). Letztere zeigte auch, dass die Art der landestypischen Kaffeezubereitung keinen Einfluss auf diesen Effekt hatte, und auch der Koffeingehalt war unwichtig (Loftfield 2018).
  3. Kaffee hat eine leberschützende Wirkung. Ab einem Konsum von 2 Tassen pro Tag sinkt langfristig das Risiko für die Entwicklung chronischer Lebererkrankungen. Ab
    einem Genuss von 3 Tassen pro Tag sinkt langfristig das Risiko für die Entwicklung von Leberzirrhose und Leberzell-Karzinom. Kaffee vermindert den oxidativen Stress in der Leber und führt zu einer Verbesserung des Laborwertes Gamma-GT.1
  4. Kaffee hat offenbar eine leichte antidepressive Wirkung. Er enthält Niacin (Vitamin B3), welches eine Rolle spielt bei der Bildung von Serotonin (als so genanntes „Glückshormon“ bekannt).
  5. Kaffee reduziert das Demenz-Risiko. Das Risiko, einen Morbus Alzheimer / eine Demenz zu entwickeln, war gemäß einer Meta-Analyse (Qi 2014, Eskelinen 2010) und einer finnischen Auswertung von Gesundheitsregisterdaten über die Dauer von durchschnittlich 21 Jahren bei regelmäßigem Genuss von 3–5 Tassen pro Tag um 60% reduziert (Caide 2009). Kaffee kann die Gehirnleistung verbessern, speziell auch das Langzeitgedächtnis (Yassa 2014).
  6. Kaffee kann helfen, das Krebsrisiko zu vermindern. An der Universität Potsdam werden hierzu kontinuierlich umfangreiche Daten erhoben (Aleksandrova). Das Risiko für die Bildung von Melanomen (schwarzer Hautkrebs) war laut einer Auswertung aus der internationalen EPIC-Studie mit ½ Million Teilnehmern (Loftfield 2015) bei regelmäßigem Konsum von 4 Tassen Kaffee pro Tag um 20% verringert. Dass das Rückfall-Risiko für Östrogen-Rezeptor-positiven Brustkrebs bei Kaffeekonsum verringert ist, war aus der Universität Lund schon seit Längerem berichtet worden (Bågeman 2008). Laut einer großen Datenauswertung am Karolinska-Institut in Stockholm ist bei langfristigem Konsum von mindestens 5 Tassen Kaffee pro Tag das Brustkrebsrisiko generell um 20% verringert, das Risiko für Östrogen-Rezeptor-negativen Brustkrebs war sogar um mehr als 30% verringert (Li 2011). Das Risiko für die Entstehung von Prostata-Karzinom, Dickdarm-Karzinom, Harnblasen-Krebs, Mundhöhlen-Krebs und bestimmter Hirntumoren war ebenfalls laut verschiedener Beobachtungen bei regelmäßigem Kaffeekonsum verringert.
  7. Kaffeetrinker haben einen niedrigeren Body Mass Index (Icken 2016; Lopez-Garcia 2006), und jede Tasse Kaffee pro Tag reduzierte laut einer Studie das Risiko für die Ent-wicklung eines Typ-2-Diabetes um 7% (van Dam 2002).
  8. Kaffee schützt vor Gichtanfällen. Das Risiko sinkt bei täglichen 4–5 Tassen um 40% und bei mehr als 6 Tassen um 59% (Choi 2007). Kaffee hemmt die Bildung des Entzündungs-Botenstoffs Interleukin-1-beta, der für die Entstehung von Gichtanfällen wichtig ist. Außerdem ist im schwarz (ohne Milch!) getrunkenen Kaffee Methionin enthalten. Diese Aminosäure ist Teil der so genannten Redoxkette (körpereigene Neutralisierung freier Radikale), und daher kann Kaffee, laut Diktion der Autoren (Madeo, Kroemer) einer österreichisch-französischen Untersuchung, helfen, „Zellschrott“ zu beseitigen.
Einkauf, Lagerung und Verwendung

Kaffee kauft man hauptsächlich nach dem individuellen Geschmack und der Verträglichkeit. Dennoch sollte man sich durchaus auch ein paar Gedanken über die Umstände der Produktion (Pestizide durch Monokultur im Gegensatz zur traditionellen Schattenwald-Anbau-Methode) und die Situation der Kaffeebauern und Plantagenarbeiter machen. An den Kaffeebauern gehen im konventionellen Verfahren 8,5%, an die Plantagenarbeiter 5,1% des Endpreises. Einen mit 2,19 € pro kg Bohnen und 4,78 € pro kg Löskaffee beträchtlichen Anteil am Endpreis hat – zumindest in Deutschland – die Kaffeesteuer, ein Relikt aus dem 17. Jahrhundert.
Man kann über die Effizienz und den Wahrheitsgehalt der Fairtrade- und Öko-Siegel streiten, dennoch ist die Chance auf mehr soziale Gerechtigkeit und weniger Pestizide damit gegeben. Derzeit beträgt der Marktanteil von Fairtrade-Pro-dukten bei Kaffee in Deutschland 10–14%. Eine staatliche Förderung durch Reduktion der Steuer auf Fairtrade-Kaffee ist aber in Diskussion.
Da frisch gemahlener Kaffee um vieles besser schmeckt, lohnt es sich, Kaffee-Bohnen als Ganzes zu kaufen, kühl und trocken und dicht verschlossen aufzubewahren und direkt vor der Kaffeezubereitung mit einer guten Kaffeemühle zu mahlen. Ob man sich nun Filterkaffee oder Espresso oder Cappuccino oder anderes bereitet, hängt zunächst einmal vom Geschmack ab. Man sollte aber bedenken, dass Milchprodukte einen Teil der sekundären Pflanzenstoffe (die Phenolsäuren) neutralisieren. Daher kann es sinnvoll sein, seinen Cappuccino oder Latte macchiato mit Hafermilch oder Mandelmilch o.ä. herzustellen. Die offenbar ungünstigste Zubereitungsmethode ist das Aufkochen; ob die günstigste Variante der Filterkaffee oder der Espresso ist, oder ob gar der Cold Brew (Bohnen mit kaltem Wasser übergießen und 8 Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen) optimal ist, steht zur Diskussion – jedenfalls sind offenbar reine Arabica-Bohnen (ohne Hochtemperatur-Röstung) zu bevorzugen.

1) siehe auch Seite 32 in diesem Heft zu Methotrexat-Verträglichkeit und Kaffee