Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 154 (September 2018)

Morbus Bechterew und Feldenkrais – passen die zwei zusammen?

Erfahrungsbericht von Manfred Stemmer, Berlin

Während auf den Seiten 29 bis 30 die Feldenkrais-Methode aus Sicht des wissenschaftlichen Dozenten beschrieben wird, will ich hier meine persönlichen Erfahrungen als Teilnehmer und Morbus-Bechterew-Patient schildern.

Zunächst zum Organisatorischen:

Das von mir besuchte Feldenkrais-Zentrum bietet jeden Werktag 2 bis 3 Kurse an, die von 4 verschiedenen Dozenten abwechselnd durchgeführt werden. Die einzelnen Lektionen bauen nicht aufeinander auf, sondern sind in sich abgeschlossene Einheiten und die Kurse gehen ohne Ende weiter. Man kann also unregelmäßig kommen, ohne einen Anschluss zu verlieren, und zwischen Wochentagen und Dozenten wechseln. Zu dieser Flexibilität gehören auch verschiedene Bezahlsysteme. Dadurch schwankt die Teilnehmerzahl pro Lektion zwischen 4 und 10 Teilnehmern. Andere Praxen können natürlich andere Organisationsformen haben.
Als Kleidung empfiehlt sich lockere leichte Kleidung, also keine engen Jeans und keine steifen Krägen. Manche Teilnehmer ziehen sich eine Jogginghose an, lockere Alltagskleidung genügt jedoch auch.

Nun zum eigentlichen Inhalt:

Die Teilnehmer liegen auf Matten, der Dozent sitzt oder steht. Er spricht Anweisungen zur Bewegung und stellt gelegentlich auch Fragen, wobei keine Antworten erwartet werden. Die Fragen sind mehr Aufforderungen, in sich selbst hineinzuhorchen und zu fühlen. Die Lektion beginnt oft mit Fragen wie „Mit welchen Stellen eures Körpers liegt ihr auf?“ Dann beginnen kleine Bewegungen, wie beispielweise ein Bein aufstellen, mit dem Fuß des aufgestellten Beins Druck auf den Boden ausüben, den Po anheben. Dazwischen immer wieder loslassen und einfach liegen und die Fragen „Was spürt ihr?“, „Spürt ihr auch etwas in den Schultern?“ (bei Bewegungen der unteren Körperhälfte) für sich beantworten. Die Bewegungen sollen so schonend wie möglich ausgeführt werden, es geht nicht darum, eine maximale Beweglichkeit zu erreichen oder auszutesten. Kleine Bewegungen fügen sich dann zu einem Bewegungsablauf zusammen.
Oft werden die kleinen Bewegungen erst an einer Körperseite ausprobiert und dann an der anderen. Man macht auch ungewohnte Bewegungen wie z.B. im Liegen den Kopf in die Hände nehmen – eine Hand flach vorne an der Stirn, die andere Hand hinter dem Kopf – und dann mit dem Kopf über den Boden rollen, wobei klar zwischen rollen und drehen zu unterscheiden ist. Im weiteren Ablauf wird dann der Kopf Richtung Knie angehoben. Es gibt noch viele weitere Bewegungsvorgänge, die man teilweise aus anderen Gymnastikprogrammen kennt, aber hier steht vor allem das Fühlen und In-sich-hineinhorchen im Vordergrund.
Für alle gilt: Langsam, schonend, keine Anstrengung, schon gar kein Wettbewerb, wer weiter kommt, genügend Pausen. Und immer wieder die Fragen: „Was fühlt ihr? Wo fühlt ihr eine Veränderung? Was fühlt sich jetzt anders an als vorhin?“ Eine Lektion dauert 90 Minuten, durch eine etwa 10-minütige Pause unterbrochen.

Was bringt mir das als Morbus-Bechterew-Patient?

Hierzu muss ich vorausschicken, dass bei mir im Alter von 74 Jahren der Entzündungsprozess schon seit vielen Jahren weitgehend zum Erliegen gekommen ist und ich kaum Medikamente nehme. Die Bewältigung von Schmerzen steht nicht im Vordergrund, sondern die Verbesserung der Beweglichkeit. Die bei mir entstandenen ungleichmäßigen Versteifungen führen zu Schief- und Schonhaltungen und zu Muskelverspannungen, die bei bestimmten Bewegungen auch schmerzhaft sein können, und zu Bewegungseinschränkungen. Von Feldenkrais habe ich eine allgemeine Lockerung meines verspannten Körpers erwartet.
Nach einer Lektion Feldenkrais fühle ich mich entspannt, aber nicht müde, und gestärkt zugleich.
Es ist vielleicht vergleichbar mit dem Gefühl nach einem Saunabesuch. Oft geht das Aufsetzen des Fußes beim Gehen leichter, die Aufrichtung des Rückens oder das tiefe Durchatmen. Mal ist es ein entspanntes Gefühl im Bereich der Hüfte und im Rücken. Natürlich erfolgt keine Wunderheilung, aber ich gehe nach einer Lektion ganz einfach leichteren Schrittes und lockereren Rückens hinaus als vorher hinein und fühle mich richtig wohl. Und das ist doch ein Erfolg! Natürlich führe ich Warmwassergymnastik und Rehasport weiter. Feldenkrais ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung.