Aus dem Bechterew-Brief Nr. 90 (September 2002)

DVMB-Forschungspreis für Untersuchungen zur Patientenschulung bei Morbus Bechterew

von Prof. Dr. rer. nat. Ernst Feldtkeller, München, Vorsitzender des Kuratoriums für den DVMB-Forschungspreis

Zum fünften Mal verlieh die DVMB bei ihrer diesjährigen Delegiertenversammlung in Kassel den Forschungspreis der DVMB an eine erfolgreiche Wissenschaftlerin für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew).
Fünf Wissenschaftler bzw. Teams hatten sich mit neuen interessanten Forschungsergebnissen um den Preis beworben. Gemäß den Preis-Statuten wurde ein Kuratorium aus namhaften Wissenschaftlern gebildet, das die Aufgabe hatte, die eingegangenen Arbeiten zu bewerten und den Preisträger zu ermitteln. Dem Kuratorium gehörten diesmal folgende Mitglieder an:

Prof. Dr. med. Ernst-Martin LEMMEL, Max-Grundig-Klinik Bühl, Ärztlicher Berater der DVMB,
Prof. Dr. med. Elisabeth MÄRKER-HERMANN, Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden, Trägerin des DVMB-Forschungspreises 1993,
Prof. Dr. med. Edward SENN, Luzern, Schweiz,
Prof. Dr. med. Gerd WESELOH, Orthopädische Universitätsklinik Erlangen,
Prof. Dr. med. Henning ZEIDLER, Medizinische Hochschule Hannover,
Dr. med. Bernd WINTERHALTER, Direktor Medizin und Wissenschaft, Pharmacia GmbH, Erlangen (Sponsor des Preisgelds), und
Prof. Dr. Ernst FELDTKELLER, München, wissenschaftlicher Redakteur des DVMB-Mitteilungsblatts "Bechterew-Brief".

Das Kuratorium wählte in seiner Sitzung am 24. April 2002 in Frankfurt am Main Professor Feldtkeller zum Vorsitzenden des Kuratoriums und beschloss, den Forschungspreis zu vergeben an

Frau Dr. med. Inge EHLEBRACHT-KÖNIG vom Rehazentrum Bad Eilsen

für ihre Arbeit

„Evaluation eines Schulungsprogramms für Patienten mit Spondylitis ankylosans“.

Das Preisgeld von EUR 4000 wurde gestiftet von der Pharmacia GmbH in Erlangen. Wir danken den Stiftern für ihre großzügige Unterstützung.

Das Kuratorium sprach Frau Diplom-Psychologin Angelika BÖNISCH, die an der prämierten Studie maßgeblich mitgearbeitet hat, eine lobende Anerkennung aus.

Bild 1: DVMB-Forschungspreisträgerin Dr. Inge EHLEBRACHT-KÖNIG (Mitte rechts), Diplom-Psychologin Angelika BÖNISCH, die an der prämierten Studie wesentlich mitgearbeitet hat (Mitte links),  Prof. Dr. Ernst-Martin LEMMEL (Ärztlicher Berater der DVMB,

Bild 1: DVMB-Forschungspreisträgerin Dr. Inge EHLEBRACHT-KÖNIG (Mitte rechts), Diplom-Psychologin Angelika BÖNISCH, die an der prämierten Studie wesentlich mitgearbeitet hat (Mitte links), Prof. Dr. Ernst-Martin LEMMEL (Ärztlicher Berater der DVMB, ganz links) und Prof. Dr. Ernst FELDTKELLER (Vorsitzender des Preiskuratoriums, rechts) nach der Preisverleihung am 15. Juni 2002 in Kassel

Laudatio:

Frau Dr. Ehlebracht-König, geboren 1950, absolvierte nach einer Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin ein Medizinstudium in Hamburg als Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seit 1989 arbeitet sie als Erste Oberärztin in der Internistisch-Rheumatologischen Klinik des Rehabilitationszentrums Bad Eilsen.
Seit 1989 arbeitet sie aktiv im Arbeitskreis Patientenschulung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie mit und ist seit 1997 Sprecherin dieses Arbeitskreises. Ihr Hauptaugenmerk galt der Entwicklung von Schulungsprogrammen für unterschiedliche Diagnosen und der Konzeption und Durchführung von Trainer-Seminaren für die Patientenschulung. Ihr wissenschaftliches Interesse gilt neben der Evaluation von Patientenschulungsprogrammen auch der Weiterentwicklung von Rehabilitationskonzepten. Seit 1998 ist sie Mitglied im Rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbund Niedersachsen/Bremen, in dessen Rahmen die prämierte Arbeit entstand. Sie arbeitet kontinuierlich mit Selbsthilfeorganisationen zusammen, um diese mit dem Rehabilitationsprozess zu vernetzen. Sie bildet seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit der DVMB Morbus-Bechterew-Patienten dafür aus, bei der Patientenschulung das Modul „Alltags- und Krankheitsbewältigung“ durchzuführen, und ist seit 2001 Vorsitzende des Landesverbands Niedersachsen der Deutschen Rheuma-Liga.

Die durch den Preis gewürdigte Arbeit untersuchte den Nutzen des Schulungsprogramms der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie für Patienten mit Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und verwandten entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen (Spondyloarthritiden). Die Studie wurde vom Verband Deutscher Rentenversicherungsträger gefördert. Das untersuchte Programm vermittelt den Patienten in 6 Schulungseinheiten den adäquaten Umgang mit der Erkrankung und stellt eine wichtige Ergänzung medizinischer Therapiemaßnahmen dar. Untersucht wurde:

  • die Akzeptanz des Schulungsprogramms durch die Betroffenen,
  • die Auswirkung der Schulung auf den Krankheitsverlauf (kurz- und langfristig), und
  • die Frage, welche Patienten besonders von dem Schulungsprogramm profitieren.

Es handelt sich um eine multizentrische prospektive (vorausgeplante, nicht nachträglich aus vergangenen Beobachtungen zusammengestellte) randomisierte (die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip auf Test- und Vergleichsgruppe verteilt) Studie, die im Reha-Zentrum Bad Eilsen der LVA Hannover, in der Karl-Aschoff-Rheinpfalz-Klinik in Bad Kreuznach und in der Rheumaklinik Bad Bramstedt durchgeführt wurde. Sie umfasste 167 Patienten in der geschulten Gruppe und 156 Teilnehmer in der Kontrollgruppe (ohne Teilnahme am Schulungsprogramm). Messparameter waren die Krankheitsaktivität, die Schmerzintensität, das Ausmaß von Bewegungseinschränkungen, das Wissen über die Krankheit, die Lebensqualität sowie gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Krankheit.
Die Studie bestätigte überzeugend, dass bei den geschulten Patienten nicht nur das krankheitsbezogene Wissen verbessert und die Einstellung zur Krankheit verändert wurde, sondern auch die Bewegungseinschränkung im Vergleich zur ungeschulten Gruppe geringer ausfiel. Sie zeigte außerdem, dass in der geschulten Gruppe im Jahr nach der Rehabilitationsmaßnahme signifikant weniger Arbeitsunfähigkeitstage auftraten und weniger Rentenanträge gestellt wurden als in der Vergleichsgruppe. Der sozioökonomische Nutzen der Schulung übersteigt den Aufwand um den Faktor 8. Das Schulungsprogramm leistet also einen konkreten Beitrag dazu, die volkswirtschaftlichen Kosten der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) zu senken.

Mit der Prämierung dieser hervorragenden Arbeit, bei der Frau Dr. Ehlebracht-König die Projektleitung innehatte, werden zugleich ihre Verdienste um die Patientenschulung in der Rheumatologie insgesamt gewürdigt.

Bild 2: Die bei der Kuratoriumssitzung anwesenden Mitglieder des Kuratoriums für die Zuerkennung des DVMB-Forschungspreises (von links nach rechts): Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München, Prof. Dr. Edward Senn, Luzern, Dr. Bernd Winterhalter, Pharmacia G

Bild 2: Die bei der Kuratoriumssitzung anwesenden Mitglieder des Kuratoriums für die Zuerkennung des DVMB-Forschungspreises (von links nach rechts): Prof. Dr. Ernst Feldtkeller, München, Prof. Dr. Edward Senn, Luzern, Dr. Bernd Winterhalter, Pharmacia GmbH Erlangen, Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann, Wiesbaden, Prof. Dr. Gerd Weseloh, Erlangen. 
Die am Sitzungstermin verhinderten Kuratoriumsmitglieder gaben ihr Votum schriftlich ab